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Donnerstag, 2. Mai 2013

Über das Schreiben I - Schreibblockaden

Reaktionen: 

Jeder Autor hat sie irgendwann einmal gehabt - Schreibblockaden. Sie lassen uns zweifeln und verzweifeln, an unseren Texten, unseren Ideen, unserem Talent, können die perfekte Handlung wie ein Kartenhaus zusammenfallen lassen und jedes noch so durchgeplante Projekt zum Stillstand bringen.
Dabei gibt es ein paar kleine Kniffe, mit denen man - wenn man sie nicht vollkommen überwindet - einer Schreibblockade zumindest ein wenig Paroli bieten kann.


Die Angst vor der leeren Seite - by caprisco
 
Vor etwa einem Jahr, inmitten eines umfangreicheren Projekts, hat es mich erwischt: Schreibblockade. Absolute Vollsperrung. Nichts ging mehr. Jeder Versuch, etwas zu Papier zu bringen erzeugte bloß Absatz um Absatz an hohlem Geblubber, Wörter und Sätze, die nicht zueinander finden wollten, sofern ich denn überhaupt etwas schrieb. Oftmals blieb die Seite vor mir einfach leer, blank, drohend. Ich war kurz davor die knapp dreihundert Seiten, die ich bereits produziert hatte, zu löschen, neu anzufangen - oder ganz aufzugeben. Heute bin ich froh, nicht derart überreagiert zu haben. Eine Schreibblockade ist nämlich selten die Katastrophe, die sie zu sein scheint.
Indem man die Gewohnheiten und Methoden ändert, nach denen man für gewöhnlich arbeitet, durch regelmäßige Übung und letztlich durch die Demystifizierung des Schreibrpozesses kann selbst die schlimmste Blockade überkommen werden. Auch wenn es lange Zeit dauern kann.
Wenn man in einer Schreibblockade steckt, ist es selten die schlechteste Idee, sich genau anzusehen, wo oder wann man schreibt. Es ist kein Geheimnis, dass man in der Psychologie Personentypen danach unterscheiden kann, zu welcher Zeit sie am effektivsten Arbeiten. Ein Nachtmensch wird deshalb Probleme haben, genug Kreativität zur Mittagszeit aufzubringen, jemand anders kann nach acht Uhr abends keine zusammenhängenden Sätze bilden. Wenn also das Schreiben zu einer Tageszeit nicht klappt, schadet es nicht, den Arbeitsrhythmus ein wenig umzustellen.
Genauso kann es hilfreich sein, den Schreibtisch hinter sich zu lassen und zu versuchen, an einem anderen Ort zu schreiben. Vielleicht findet man in einer neuen Umgebung auch neue Inspiration. Nicht selten sind nämlich die Wurzeln einer Schreibblockade mit der Langeweile verbunden, die man angesichts allzu bekannter Orte empfindet. In diesem Fall ist sie oft schlicht ein Signal, sich einen neuen Weg, eine neue Richtung zu suchen, ausgetretene Pfade zu verlassen - in der Welt und im Manuskript.
Tools of the Trade - by ManicMorFF

Inspiration ist wichtig. Soweit nichts Neues. Aber eine Schreibblockade muss nicht unbedingt bloß ein Mangel an Inspiration sein. Man kann so inspiriert sein, wie man will, endlich jene Kurzgeschichte zu schreiben, die einem schon ewig im Kopf herumgeistert, oder diesen Roman anzufangen, von dem man schon so lange träumt, wenn man Probleme hat, die Gedanken in Worte auf Papier zu bannen. Deshalb ist es wichtig, seine Fähigkeit zu Schreiben zu trainieren, schlicht, indem man schreibt, anstatt endlos über die Motivation von Charakter X oder Plotwendung Y nachzudenken. Sicherlich ist Schreiben eine Kunst, aber es ist auch ein Handwerk; nur durch regelmäßige Anwendung dieser Fähigkeit, lernen wir, wie Probleme, wie die Schreibblockade, zu umschiffen sind. Je vielfältiger die Mittel im eigenen Inventar um solche Probleme anzugehen, desto leichter kann man sich aus
Überhaupt ist der Glaube, Inspiration sei alles, man müsse nur auf den Kuss der Muse warten, ein unterschätzter Stolperstein. Natürlich ist Inspiration wichtig, aber sie ist längst nicht der einzige Faktor beim Schreiben. Oftmals rührt eine Schreibblockade nämlich daher, dass man ewig auf besagte Muse wartet, damit sie einem einen kurzen Blick auf diesen einen, perfekten Satz ermöglicht, dem man nun seit Wochen hinterherjagt.
Von dieser Idee sollte man sich lösen. Manchmal gibt es kein anderes Mittel gegen Blockaden, als sich einfach hinzusetzen und Satz um Satz, Seite um Seite herunterzuspulen, und sich nicht zuviele Gedanken um Qualität zu machen. Zeit für eine Überarbeitung ist später immer noch, umso mehr, wenn man nicht Tag um Tag damit vertrödelt, auf das Eingreifen einer schwer fassbaren, mystischen Kraft zu warten.

Eine Schreibblockade ist nicht das Ende der Welt, weder der um uns herum, noch der auf dem Papier (oder dem Bildschirm) vor uns. Sie kann auf verschiedene Weisen überwunden werden, doch sie alle verlangen, dass der Autor nicht herumsitzt und darauf wartet, dass die Dinge von selbst ins Reine kommen, sondern dass er die Zügel in die Hand nimmt und (in unbekanntes Land?) voranprescht.
In dieser Hinsicht ist eine Schreibblockade nicht anders als andere Hindernisse im Leben, denn auch die Kunst verlangt Initiative von denen, die sie schaffen wollen - und Schreiben, in allen Formen und Varianten, ist da keine Ausnahme.

Kommentare:

  1. Wie du schon richtig schreibst: Eine Schreibblockade ist nicht das Ende der Welt.
    Und darum ist es immer wieder gut, wenn es Posts so wie den deinen gibt, der diese Blockaden entmystifiziert.

    Was bei mir auch oft hilft: Einfach mal rausgehen. Tapetenwechsel. Wenn man nach einem langen Regenspaziergang zurückkommt, schreibt es sich auch gleich wieder besser.

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    1. Ich hab einfach festgestellt, dass das Aufbrechen von Gewohnheiten eine echte Hilfe sein kann. Ironischerweise ist der Text kurz vor einer neuen Blockade entstanden :D

      Vielen Dank für deinen Kommentar :)

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  2. Mir hat es neulich geholfen, eine Geschichte darüber zu schreiben, wie ich mich an einen anderen Ort zum Schreiben setze und dort von meinen Romanfiguren gestalkt werde. Die Idee hatte ich von einer anderen Schreiberin und fand sie nach dem Austesten sehr gut.
    Es ist unglaublich, was für Reserven freiwerden, wenn man selbst mit seinen Figuren konfrontiert wird und seine Gewohnheiten virtuell aufbricht.

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    1. Das ist auf jeden Fall mal eine kreative Lösung :D

      Werde ich mal im Hinterkopf behalten, auch wenn ich generell eher wenig mit "Motivationsgeschichten" anfangen kann. Also einfach Dialoge u.ä. zwischen Charakteren schreiben, die so nicht in der fertigen Geschichte sind oder nur dazu dienen die Charaktere kennenzulernen hat mir noch nie geholfen.

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